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Aufklärung 2.0 – Civic Education

Lebenslanges, gehirngerechtes, interkulturelles und soziales Lernen

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Civic Education

Civic Education wird im Deutschen grundsätzlich als “Politische Bildung” übersetzt. Leider ist das ein Fehler aus der Nachkriegszeit, der heute noch,  selbst in Fachkreisen, zu Irrtümern und Verunsicherungen führt. Lehrer wie Schüler fürchten sich geradezu vor dem Gegenstand Politische Bildung. Jugendlichen, vor allem Jungen unter 18 Jahren, sind die Themen der konventionellen Politischen Bildung vielfach zu abstrakt; meist werden im Unterricht  nur staatliche und wirtschaftliche Strukturen vermittelt. Neben dem altgedienten Paukprinzip schlagen auch die neuerdings angewandten Methoden aus der Betroffenheitspädagogik meist fehlt, da sie dem biologisch – psychologischen Rüstzeug der Menschen nicht entsprechen. Die zahlreichen Versuche die Menschen durch Politische Bildung zu mehr Demokratie und Aggressionsabbau zu bewegen, können heute als gescheitert betrachtet werden. Deshalb bedarf es neuer, vor allem interdisziplinärer Zugänge, wie wir es  mit dem gehirngerechten, sozialen und interkulturellen Lernen versuchen.

Das Missverständnis zwischen Civic Education und Politischer Bildung beruht übrigens auf einem Wahrnehmungs, bzw. Übersetzungsfehler im Zusammenhang mit der sog. Entnazifizierung nach dem 2. WK. Bei unseren Bemühungen geht es um weit mehr, als um Politische Bildung, nämlich um grundsätzliche Veränderungen in Gesellschaft, Politik und insbesondere  um dringend notwendige Reformen in Erziehung und Bildung. Damit sind wir nicht allein in Europa und in der Welt, wie man es im kurzen Ausschnitt eines Interviews mit President Obama nachvollziehen kann:

Obama on helping schools create civic education systems
Obama on helping schools create civic education systems
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Civic Education bedeutet im Deutschen eigentlich nichts anderes als “Bürgerliche Erziehung”.  Doch wird dieser Begriff wegen seiner leicht abwertenden Bedeutung im Deutschen nicht gerne verwendet. Bürger werden im Englischen und Französischen bekanntlich  nicht mit “bourgeois”  (im Dt. >Bürger<) sondern als “citoyen” bzw. “citizen” übersetzt. Wir haben hier als etymologischen Ursprung einerseits den Bürger als Bewohner einer von Adeligen beherrschten Burgstadt “bourgeois” und somit einen Untertanen, anderseits den “citoyen” den freien Bürger einer Stadt mit eigenen Rechten. Im Deutschen kennt man diesen sprachlichen Unterschied nicht, Bürger ist Bürger, egal welchen politischen und sozialen Hintergrund er hat.

Die Wissenschaftler der Nachkriegszeit, auf der Suche nach einer Bezeichnung  (u.a. zur Fortführung der Entnazifizierung), sind damals auf neuen Begriff der “Politischen Bildung” ausgewichen. Das hatte bedauerlicherweise zur Folge, dass Ziele, Inhalte und Methoden der Wissenschaftler in der Folge “Politische Bildung” viel zu wörtlich nahmen und die Grundidee, die de Montaigne, Jefferson und Dewey vertraten, mehr und mehr aus den Augen verloren wurde.

Wir verwenden jedenfalls die lateinisch-englische-französische Bezeichnung, weil wir überall in Europa verstanden werden wollen.

jump1“Jump into Education for Democratic Citizenship”,
Projekt des Europarates 2005

Warum aber braucht es heute Civic Education, wo sich doch beinahe überall demokratische Regierungen durchgesetzt haben? Nun, die Demokratie in Europa bietet zwar ein Höchstmaß an Freiheit und Rechtssicherheit, sie ist aber auch eine sehr zarte Pflanze, um die buchstäblich täglich neu gerungen werden muss.  Schließlich hat die Evolution den Menschen zum unberechenbaren Kämpfer gemacht, zum “Homo homini Lupus”, wie es der Römer Plautus und nach ihm, der  englische Philosoph Thomas Hobbes genannt haben. Demokratie und Lebenslanges Lernen bedingen deshalb einander, denn nur mittels Bildung sind wir in der Lage unsere “basic instincts” einigermaßen zu beherrschen.

Weshalb ist das Erlernen von Demokratie gerade heute so wichtig? Wohl deshalb, weil sich die Menschheit insbesondere in den beiden letzten Jahrhunderten derart stark vermehrte, was zu noch nie dagewesenen, nahezu unbewältigbaren Problemen geführt hat. Schließlich gab es auf der Welt noch nie so viele und so fürchterliche kriegerische Auseinandersetzungen wie heute. Diese Konflikte nehmen ihren Ausgang in den Familien, der Schule, dem Arbeitsplatz,  zwischen Unternehmen und Börsen und schließlich zwischen Bevölkerungsgruppen und Staaten. Wenn wir das einschränken wollen, müssen wir einen viel engeren Lebensraum und analog dazu, einen Schwund an Ressourcen akzeptieren lernen. Wir werden  nämlich – im übertragenen Sinn – alle zu Einwohnern einer immer enger werdenden “Burg” (civic = bürgerlich, städtisch) mit analog eingeschränkten Möglichkeiten. Diese Bürger gilt es so zu organisieren, damit sie einigermaßen frei, friedlich und gerecht nebeneinander existieren können. Das ist die Aufgabe die Civic Education insgesamt verfolgt.

Eine oberflächliche Politik, die mit Fokus auf den Wahltag ausschließlich das wirtschaftliche Wachstum zur Sicherung der Arbeitsplätze vor Augen hat, sie wird, ja sie muss sogar daran scheitern. Die zarte Pflanze “Demokratie” wäre damit rascher verdorben als erwartet.  Damit das hoffentlich nie passiert, wollen wir mit unserem Konzept des “implizit sozialen Lernens”, das die Grundlage für unser EU-Projekt www.ycr-e.eu bildet, einen Beitrag leisten.

Diese Oberflächlichkeit überträgt sich nicht selten auf die WählerInnen, die dann glauben,  dass wenn es gelingt die Mehrheit hinter sich zu bekommen, man bereits ein guter Demokrat sei.  Dabei ist man oft wenig zimperlich. Doch das ist weit gefehlt und erinnert an die allseits aus dem Buch und dem Film “Die Welle” bekannte Vorgangsweise, wo man Menschen konditioniert und manipuliert, also Druck ausübt um dadurch seine eigene Sache durchzusetzen. Das ist genaugenommen das Gegenteil demokratischen Verhaltens, weil es die Menschenrechte mit Füßen tritt.

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Michel de Montaigne, Urvater der Civic Education

Wenn man eine echte demokratische Kultur in Europa einführen will, benötigt es grundlegende Veränderung des schulischen Lernens, der Lerninhalte und der bildungspolitischen Rahmenbedingungen. In der Schule wird zwar alles Mögliche und Unnötige an Wissen gelernt und gelehrt, wichtige Dinge wie man bspw. einmal mit Arbeitslosigkeit umgehen soll, oder gar wie man sie verhindern könnte, jedoch nicht. Auch nicht, wie man sich vor Krankheiten  schützt – wie man sich auf ein Leben im immer höheren Alter rechtzeitig vorbereiten sollte, oder ganz trivial, wie man sich auf Reisen verhält. Die Ziele schulischer Wissensvermittlung sind genaugenommen im 19. Jh. steckengeblieben.  Ein echtes “für das Leben lernen” findet an Schulen und oft auch an Hochschulen und Universitäten nur  zum Teil statt. Civic Education in seiner Anlehnung an die historische Aufklärung und dem Ziel der Bildung einer “Offenen Gesellschaft” bildet demgegenüber einen konstruktiven Gegenentwurf.

Die  Umsetzung von Civic Education in Bildungseinrichtungen sowie im Rahmen formaler und informeller Erziehungsarbeit würde mit Sicherheit große gesellschaftspolitische Verbesserungen mit sich bringen.

Wir stützen uns dabei maßgeblich auf:

  • der Lissabon-Strategie der EU insbesondere Wissensgesellschaft, soziale Kohäsion, Umweltschutz
  • Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen
  • Education for Democratic Citizenship, Empfehlungen des Minister/innen-Kommitees
  • die Sprachenpolitik des Europarates und der EU Kommission
  • das Weißbuch Kommunikation der EU Kommission (Verbesserung der Politischen Bildung)
  • Aktion des Europarates “Education for Democratic Citizenship”
  • der OECD-CERI  brain study: “Avenues for New Teaching”
  • Unterrichtsprinzip Politische Bildung in den Schulen
  • Grundsatzerlass Ganzheitlich-kreative Lernkultur in den Schulen
  • 10 Thesen zur Einführung von Civic Education als grundlegendes Schulmodell
 
 

Es geht also auch um den Erwerb von Werten und  insbesondere darum, Fähigkeit zu erwerben, um differenziert wie moderat mit sich und der Welt in Interaktion treten zu können. Genaugenommen müsste demokratisches Denken und Handeln genauso gelernt werden, wie wir die Muttersprache, das Lesen, das Schreiben und Rechnen erwerben.

Doch sind die meisten jungen Menschen wie auch ihre Lehrer und Erzieher nahezu “Politische Analphabeten” (ICCS Studie 1999 und 2009).  Es fehlen Ihnen in der Regel die nötigen Perspektiven und das Wahrnehmungsvermögen für die Schädigung ihrer selbst. Der Psychologe und Selbstmordforscher Erwin Ringel nannte das einmal “Schädigung durch Neurose”. Da selbst unter Pädagogen große Auffassungsunterschiede und Unklarheit über Sinn, Zweck und Inhalt zivilgesellschaftlicher Bildung herrschen, sind bestimmte Begriffserklärungen (siehe nachfolgendes Wiki: Glossar) notwendig. So ist bspw. nur sehr wenigen PädagogenInnen die positive Wechselwirkung zwischen der Einführung von Civic Education an Schulen und dem Erreichen der PISA-Ziele bewusst.

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Thomas R. Jefferson, Erfinder der Civic Education

LehrerInnen wie Eltern sind in der Regel Einzelkämpfer. Rat und Hilfe in vorausschauender Weise anzunehmen ist zumeist nicht Teil ihrer Vorstellungswelt. Nicht aus antizipativem Denken oder aus konstruktivem Ansatz heraus, sondern eher aus der Not geboren, wird agiert. Die Meisten können sich überhaupt nicht vorstellen, welche Chancen und Verbesserungen eine echte Teamarbeit für sie und für die ihnen Anvertrauten bedeuten würde. Dabei könnte man alles auf eine simple Formel bringen: “Demokratie lernen” bedeutet, den Wert partnerschaftlicher Zusammenarbeit erkennen. Diese Kooperation schafft ihrerseits Vertrauen, was wiederum zum Abbau von Vorurteilen und Ängsten führt,  die in der Folge die Grundlage für eine friedlichere und weniger aufgeregte Gesellschaft bilden können. Die Kenntnis, dass die Kinder unser Verhalten aufgrund ihrer genetischen Disposition in ihrem eigenen Verhalten widerspiegeln, sollte deshalb längst zum Handwerkszeug eines jeden Pädagogen, eines jeden Erziehers gehören. Civic Education gliedert sich deshalb grob  in:

  • Eltern- und Erwachsenenbildung
  • frühkindlichem Lernen
  • pubertäres Lernen
  • postpubertäres Lernen
  • anthropologisch – pädagogische Bildung
  • interkulturelles Lernen und politische Bildung.
dewey

John Dewey, Erneuerer der Civic Education

Besonders nötig ist auch die inter-, und multidisziplinäre Erneuerung durch die Implementierung neuester Erkenntnisse aus den Kognitionswissenschaften, der Ethologie und der Neurobiologie (Gehirn- und Genforschung) in den schulischen und erzieherischen Alltag. Diesen Weg verfolgt unser Projekt, insbesondere mit dem übergeordneten Ziel neue Standards und Methoden für die europäische Bildungs-, und Erziehungslandschaft anzubieten. Die schon erwähnten Lissabonziele und die gerade erst in Angriff genommene “Soziale Dimension” der EU und mit ihnen das Phänomen des lebenslangen Lernens bieten dazu ganz neue Perspektiven. Lassen Sie sich also darauf ein, machen Sie mit und unterstützen Sie unser Vorhaben auch zu Ihrem eigenen Vorteil.

Insgesamt geht es bei Civic Education um die Professionalisierung der Bildungslandschaft um die analoge Erneuerung von Bildungspolitik, Erziehung und insbesondere dem Erlernen des Lernens. Der Erwerb von Kompetenzen und die Milderung von Zwangshandlungen sind ein automatischer Nebeneffekt. Mit unserem Projekt wollen wir Lehrern, Eltern und Erziehern neue und bessere Instrumentarien in die Hand geben, damit sie ihre verantwortungsvolle Aufgabe noch effizienter und erfolgreicher als bisher gestalten können – schließlich und endlich auch um dadurch selbst ein wenig zufriedener und gleichzeitig  glücklicher zu werden.

Michael Stanzer


Wir leben in einer Epoche die sich im Übergang vom Gewalt-Prinzip zum Dialog-Prinzip in der Gesellschaft befindet. Diese Dynamik wird oft auch als “Kampf der Kulturen” missverstanden.  Die Welt verändert sich aber nur im vorgegebenen evolutionärem Tempo, dennoch ist eine Entwicklung hin zu mehr Ethik und Moral. zu beobachten. In diesem Zusammenhang ist die Unterscheidung der beiden Disziplinen: Civic Education und Politischer Bildung besonders wichtig geworden:

“Politische Bildung” ist:

  • stärker fachwissenschaftlich zentriert
  • mehr auf Wissen und weniger auf Können und Handeln angelegt
  • stärker auf systematische und staatliche Ebene, auf regieren und Herrschaft ausgerichtet
  • und empfänglicher bzw. anfälliger für Instrumentalisierungen

“Civic Education”, bzw. “Demokratiepädagogik ist der Dachbegriff für die Aufgabe, die mit Erhalt und Erneuerung von Demokratie verbunden ist”, sie ist eine übergreifende Kategorie, der sich “politische Bildung, demokratische Erziehung und demokratisches Handeln als Teilaspekte zuordnen lassen”, und

  • hat stärker die übergreifende Aufgabe der Erziehung im Blick
  • betrachtet Schule insgesamt – über den Unterricht hinaus
  • ist mehr auf Kompetenz und Handeln ausgelegt
  • ist primär im Sinne eines Menschenrechts-Universalismus angelegt
  • fasst mehr das Ganze der Kultur auf und thematisiert Demokratie als Lebens- Gesellschafts- und Herrschaftsform
    Zusammenstellung nach Dr. Peter Fauser (Universität Jena)

Beiträge zur Demokratiepädagogik
Eine Schriftenreihe des BLK-Programms der Bundesrepublik Deutschland
„Demokratie lernen & leben“


10 Thesen zur Einführung von Civic Education als bildungspolitisches Leitbild

Schule als demokratischer Ort und partnerschaftlich orientiertes Lernzentrum im Gemeinwesen – 10 Thesen zu bürgergesellschaftlichen Entwicklungspotenzialen von (Ganztags-) Schulen

Von Birger Hartnuß und Dr. Stephan Maykus

1. Bürgerschaftliches Engagement ist ein Bildungsfaktor!

Fähigkeiten zur demokratischen Teilhabe und die Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme bilden die Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit der demokratischen Gesellschaft und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Es gilt, die Diskussion über diese Zusammenhänge und Potenziale in die aktuelle Bildungs-debatte einzubringen und in den anstehenden Reformprozessen zu verankern.

2. Das Lernen von „Bürgerschaftlichkeit“ muss frühzeitig ermöglicht werden!

Bürgerschaftliche Verhaltensdispositionen werden in Kindheit und früher Jugend geprägt. Frühzeitige Engagement- und Demokratieförderung ist daher eine Aufgabe sowohl von Familie als auch der pädagogischen Institutionen. Dabei kommt der Schule als pädagogischem Ort, der tendenziell alle Kinder und Jugendlichen erreicht, eine herausragende Bedeutung zu. Die Entwicklung sozialer Kompetenzen und die Ausprägung von Gemeinsinn sind jedoch bislang erst ansatzweise in den Kernbereichen des schulischen Auftrags verankert.

3. „Civic education“ muss selbstverständlicher Teil des schulischen Bildungs- und Erziehungsauftrags werden!

Ein modernes Bildungsverständnis im Bereich der Schule muss heute darauf abzielen, dass nicht nur kognitives Wissen, sondern auch soziales Lernen und Kompetenzen wie Kommunikations-, Kooperations- und Teamfähigkeit, Empathie und soziales Verantwortungsbewusstsein vermittelt werden. Die Schule muss daher Lern- und Erfahrungsräume zur Verfügung stellen, die die Herausbildung von Engagementbereitschaft und -motivation sowie demokratischer und zivilgesellschaftlicher Handlungsorientierungen junger Menschen fördern. Sie steht vor der Herausforderung, „civic education“ als selbstverständlichen und gleichberechtigten Teil in ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag zu integrieren.

4. Bildung braucht Kooperation, Vernetzung, sozialpädagogische und bürgerschaftliche Perspektiven!

Einem umfassenden Bildungsanspruch kann Schule allein nicht gerecht werden. Es ist vielmehr geboten, schulische und außerschulische Bildungspotenziale bei der Gestaltung von Bildungsprozessen neu aufeinander zu beziehen. Ein umfassendes Lern- und Bildungskonzept geht von einem engen Zusammenspiel der unterschiedlichen Bildungsinstitutionen, Bildungsorte, Bildungsaufgaben und Bildungsprozesse aus und bringt sie in ein neues Verhältnis, das Kindern und Jugendlichen optimale Bildungs- und Teilhabechancen bietet, sie auf die Bewältigung des Alltags und der Zukunft vorbereitet und für eine gelingende Lebensführung rüstet. Dies bedeutet, das Zusammenspiel von Familie, Schule, Kinder- und Jugendhilfe sowie vielfältiger weiterer gesellschaftlicher Akteure und Bildungsgelegenheiten neu zu gestalten. Dabei geht es auch um eine sozialpädagogische Erweiterung des Bildungsverständnisses. Bildung zielt auf die Entwicklung allgemeiner Lebensführungs- und Bewältigungskompetenz. Ein Bildungskonzept, das dieser weiten Zielperspektive verpflichtet ist, umfasst gleichauf mit Aufgaben der kulturellen und materiellen Reproduktion auch Aspekte der sozialen Integration und des sozialen Lernens.

5. Es gilt, die „Lagerfeuer“ unterschiedlicher Fachdiskurse zusammen zu bringen und synergetisch miteinander zu verknüpfen!

Die Diskussionen um Partizipation, Engagementförderung, ein umfassendes Bildungsverständnis und Ganztagsschule als kooperativ gestalteter Lern- und Lebensraum werden gegenwärtig nahezu als parallele Entwicklungen betrachtet, obgleich sie unmittelbare konzeptionelle Verknüpfungsmöglichkeiten bieten, die für eine innovative Gestaltung von Bildungsbedingungen junger Menschen zu-künftig stärker zu betonen und in ihren Koppelungschancen zu nutzen sind. Ihre enge Verknüpfung, die sich in einem bürgerschaftlich orientierten Leitbild von (Ganztags-) Schule ausdrücken könnte, würde den Erfolg der einzelnen Debatten in ihrer Intensität, Konsequenz und praktischen Implementierung deutlich steigern.

6. Ganztagsschule eröffnet indirekte und direkte Potenziale der Förderung von Partizipation und Bürgerengagement!

Die Diskussion um den Ausbau und die Weiterentwicklung von Ganztagsschulen in Deutschland ist begleitet von erheblichen gesellschaftlichen Erwartungen. Auch hinsichtlich der Förderung von Partizipation und bürgerschaftlichem Engagement bestehen berechtigte Hoffnungen. Die Ganztagsschule bietet dafür einen indirekten und direkten Ermöglichungsrahmen. Zu den indirekten Ermöglichungsfaktoren zählen insbesondere erweiterte Raum- und Zeitkonzepte, ein integratives, kooperationsoffenes Leitbild sowie eine ganzheitliche, lebensweltorientierte Gestaltungsperspektive der Ganztagsschule. Direkte Chancen für Engagement- und Partizipationsförderung liegen in der Innovation der Lehr- und Lernkultur, in konkreten Konzepten der „civic education“ und „community education“ sowie der äußeren Öffnung der Ganztagsschule für Kooperationen und Partnerschaften mit der Jugendhilfe und vielfältigen anderen Akteuren der Bürgergesellschaft.

7. Ganztagsschule bietet Chancen für Partizipation und Bürgerengagement – die Förderung von Partizipation und Bürgerengagement bietet Chancen für die Gestaltung von Ganztagsschulen. Bestehende Potenziale müssen jedoch aktiv ausgeschöpft werden! Ihre Entfaltungsmöglichkeiten steigen mit dem Grad der Integriertheit von „civic education“ in den schulischen Konzepten.

Chancen und Spielräume der Partizipations- und Engagementförderung in und durch Ganztagsschule entfalten sich nicht automatisch. Notwendig ist ihre konzeptionelle Herausstellung und die operative Umsetzung bestehender Potenziale in konkreten Konzepten und Projekten. Dafür gibt es keine Standardvorlagen. Die Analyse der jeweiligen Bedingungen und Besonderheiten der Einzelschule ist Ausgangspunkt für die Entwicklung altersgerechter Lern- und Erprobungssituationen mit Ernstcharakter. Chancen der Partizipations- und Engagementförderung steigen mit dem Organisationsgrad des Ganztagsschulbetriebs. Als entscheidend – und die organisatorischen Grenzen tendenziell kompensierend – erweist sich der erreichte Grad an Integriertheit von Konzepten der Partizipations- und Engagementförderung („civic education“) in der Schule.

8. Die konzeptionelle Verankerung demokratischer und bürgerschaftlicher Prinzipien im pädagogischen Selbstverständnis der Schule, in ihrem Leitbild, ggf. ihrem Schulprogramm, ist der entscheidende Schlüssel für den Erfolg der Förderung von Partizipation und Bürgerengagement!

Konzepte der Partizipations- und Engagementförderung in und durch (Ganztags-) Schule entfalten ihre Potenziale umso intensiver, als sie und die mit ihnen verbundenen bürgerschaftlichen Intentionen selbstverständlicher Teil der Schulkultur, des schulischen Selbstverständnisses, der Schulphilosophie sind. Die Verankerung bürgerschaftlichen Engagements im schulischen Leitbild drückt sich darin aus, dass das Bildungsziel des ‚kompetenten Bürgers’, also Fähigkeiten zur Kooperation mit anderen für ein gemeinsames Anliegen und die Vertrautheit mit demokratischen Regeln, Verfahren und Institutionen, in den pädagogischen Konzepten aufgewertet werden und gleichauf mit kognitiven Dimensionen des Lernens Beachtung erfahren. Dieser Anspruch muss als Prinzip im Schulalltag spür- und erfahrbar sein und sich als Element der Schulkultur entfalten. Es geht damit letztlich um eine nachhaltige Einbindung von „civic education“ in den Bildungsauftrag der Schule.

9. Die Förderung von Partizipation und Bürgerengagement geht mit einer Öffnung der Schule hin zum Gemeinwesen einher! Ein bürgergesellschaftliches Leitbild von Schule bietet dafür einen adäquaten Orientierungsrahmen. Einem solchen Leitbild liegt ein Selbstverständnis von Schule als demokratischem Ort und partnerschaftlich orientiertem Lernzentrum im Gemeinwesen zugrunde.

Ein bürgergesellschaftliches Leitbild von Schule zeichnet sich durch eine enge Verknüpfung von Strategien der inneren und äußeren Öffnung von Schule aus. Wege der inneren Öffnung zielen darauf ab, durch neue Formen des Unterrichtens und Lernens Prinzipien wie Handlungsorientierung, eigenständiges und verständnisintensives Lernen zu stärken und dabei Erfahrungen der demokratischen Mitbestimmung und der Verantwortungsübernahme in realen Handlungs- und Entscheidungssituationen zu ermöglichen. Gleichzeitig geht es um die demokratische Gestaltung des Schulalltags insgesamt, bspw. durch die Aufwertung der Rolle von Schüler- und Elternvertretungen, die Stärkung von Begegnungs- und Kooperationsformen und ein gemeinsames Engagement von Schülern, Lehrern und Eltern.

Strategien der äußeren Öffnung zielen auf die Einbettung der Schulen in das umliegende Gemeinwesen, ihre Integration in die lokale Bürgergesellschaft. Durch die enge Zusammenarbeit mit öffentlichen Einrichtungen, zivilgesellschaftlichen Akteuren und auch Wirtschaftsunternehmen können schuluntypische Sichtweisen in Prozesse des schulischen Lernens und Lebens einbezogen werden. Dadurch erfährt Schule eine lebensweltliche Öffnung und Bereicherung. Sie kann dadurch gleichzeitig für Aktivitäten und gemeinschaftliches Leben der Gemeinde aufgeschlossen werden und sich zu einem Zentrum des Gemeinwesens entwickeln. In diesem Zusammenhang geht es auch um den Aufbau vielfältiger Partnerschaften und Bündnisse, die Brücken zwischen Schule und lokaler Bürgergesellschaft bauen, zusätzliche Kompetenzen und Ressourcen erschließen und neue Formen der Zusammenarbeit zu gegenseitigem Vorteil ermöglichen. Kern eines bürgerschaftlich orientierten Leitbildes von Schule ist somit ein Selbstverständnis von Schule als demokratischem Ort und partnerschaftlich orientiertem Lernzentrum im Gemeinwesen. Ein solches Leitbild eröffnet insbesondere der Ganztagsschule weit reichende Gestaltungsoptionen.

10. Es gilt, die Förderung von Partizipation und Bürgerengagement als Gestaltungsziel an sämtlichen Schulen, in allen Schulformen zu etablieren!

Partizipation und bürgerschaftliches Engagement sind sowohl in ihren pädagogischen Potenzialen für die Gestaltung von Schule und Lernen als auch in ihrer Bedeutung als Bildungsziel keineswegs auf ganztägige Formen der Schulorganisation beschränkt. Sie können und sollen vielmehr in sämtlichen Schulformen ihren Niederschlag finden. Durch eine Beschränkung auf einzelne Schulformen oder Bildungsgänge würde Partizipation – entgegen der mit ihr verbundenen gesellschaftlichen Intention – soziale Selektivität sogar verstärken, statt Integration zu fördern. Von daher muss es ein gesellschaftliches Anliegen sein, Teilhabe und Mitbestimmung im gesamten Bildungs- und Schulsystem als pädagogisches Prinzip und Bildungsfaktor zu verankern.

Die hier formulierten Thesen basieren auf der Expertise „Mitbestimmen, mitmachen,
mitgestalten. Entwurf einer bürgergesellschaftlichen und sozialpädagogischen Begründung
von Chancen der Partizipations- und Engagementförderung in ganztägigen
Lernarrangements“, die von Birger Hartnuß und Dr. Stephan Maykus im Auftrag des
BLK-Programms „Demokratie lernen & leben“ der Bundesrepublik Deutschland erstellt wurde.
www.blk-demokratie.de/fileadmin/public/dokumente/Hartnu___Maykus.pdf

Im Zentrum unserer Arbeit steht deshalb die Vermittlung der von der EU-Kommission und dem Europäischen Parlamentes empfohlenen:


Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen

In einer Wissensgesellschaft ist der Erwerb von Schlüsselkompetenzen wie Wissen, Fähigkeiten und Einstellungen, die an das jeweilige Umfeld angepasst sind, für alle Personen von grundlegender Bedeutung. Diese Kompetenzen sind ein Gewinn für den Arbeitsmarkt, den sozialen Zusammenhalt und den aktiven Bürgersinn, denn sie bringen Flexibilität, Anpassungsfähigkeit, Zufriedenheit und Motivation. Da jeder Einzelne diese Kompetenzen erlangen sollte, stellt die vorliegende Empfehlung ein Referenzinstrument für die Mitgliedstaaten dar, um sicherzustellen, dass sie die Schlüsselkompetenzen vollständig in ihre Strategien und Infrastrukturen, vor allem im Bereich des lebenslangen Lernens, integriert haben.

RECHTSAKT

Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rates vom 18. Dezember 2006 zu Schlüsselkompetenzen für lebensbegleitendes Lernen [Amtsblatt L 394 vom 30.12.2006].

ZUSAMMENFASSUNG

Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen

Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen sind eine Kombination aus Wissen, Fähigkeiten und Einstellungen, die an das jeweilige Umfeld angepasst sind. Besonders benötigt werden diese Kompetenzen für die persönliche Entfaltung und Entwicklung, die soziale Eingliederung, den aktiven Bürgersinn und die Beschäftigung.

Schlüsselkompetenzen spielen in einer Wissensgesellschaft eine wichtige Rolle, denn sie garantieren eine größere Flexibilität der Erwerbsbevölkerung. Die Erwerbstätigen benötigen diese Flexibilität, um sich schneller an ein Umfeld anpassen zu können, das durch ständigen Wandel und starke Vernetzung gekennzeichnet ist.

Außerdem sind diese Kompetenzen ein wichtiger Faktor für Innovation, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit und tragen zur Motivation und Jobzufriedenheit der Arbeitskräfte und zur Qualität der Arbeit bei.

Schlüsselkompetenzen sollen erworben werden von:

  • Jugendlichen am Ende ihrer Grund(aus)bildung, denn die Kompetenzen sollen sie für das Erwachsenenleben, insbesondere das Arbeitsleben, rüsten und gleichzeitig eine Grundlage für das weitere Lernen bilden;
  • Erwachsenen, da sie während ihres gesamten Lebens ihre Schlüsselkompetenzen weiterentwickeln und aktualisieren sollen.

Beim Erwerb von Schlüsselkompetenzen gilt das Prinzip des gleichberechtigten Zugangs aller Gruppen. Dieser Referenzrahmen richtet sich auch an die Gruppen, die aufgrund von Bildungsbenachteiligungen besondere Unterstützung benötigen. Dabei handelt es sich vor allem um Menschen mit geringen Grundfertigkeiten, Schulabbrecher, Langzeitarbeitslose, Menschen mit Behinderungen, Migranten usw.

Acht Schlüsselkompetenzen

Der Referenzrahmen umfasst acht Schlüsselkompetenzen und definiert das Wissen, die Fähigkeiten und Einstellungen, die für die einzelnen Kompetenzen benötigt werden. Die acht Schlüsselkompetenzen:

  • Muttersprachliche Kompetenz ist die Fähigkeit, Konzepte, Gedanken, Gefühle, Tatsachen und Meinungen sowohl mündlich als auch schriftlich ausdrücken und interpretieren zu können (hören, sprechen, lesen und schreiben) und sprachlich angemessen und kreativ in allen gesellschaftlichen und kulturellen Kontexten darauf zu reagieren.
  • Fremdsprachliche Kompetenz erfordert dieselben Grundfähigkeiten wie die muttersprachliche Kompetenz und zusätzlich Fähigkeiten wie Vermittlungsfähigkeit und kulturelles Verständnis. Der Grad der Beherrschung einer Fremdsprache ist die Summe der Fähigkeiten in den Bereichen Hören, Sprechen, Lesen und Schreiben.
  • Mathematische Kompetenz und grundlegende naturwissenschaftlich-technische Kompetenz. Mathematische Kompetenz ist die Fähigkeit, mathematisches Denken zu entwickeln und anzuwenden, um Probleme in Alltagssituationen zu lösen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Verfahren, Aktivität und Wissen. Grundlegende naturwissenschaftlich-technische Kompetenz ist die Beherrschung und Anwendung von Wissen und Methoden, um die natürliche Welt zu erklären. Sie umfasst das Verstehen von durch menschliche Tätigkeiten ausgelösten Veränderungen und das Verantwortungsbewusstsein als Bürger.
  • Computerkompetenz umfasst die sichere und kritische Anwendung der Technologien der Informationsgesellschaft (TIG) und daher die Beherrschung der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT).
  • Lernkompetenz – „Lernen lernen” - ist die Fähigkeit zu lernen und das eigene Lernen sowohl alleine als auch in der Gruppe nach seinen eigenen Ansprüchen zu organisieren und sich dabei der Methoden und Möglichkeiten bewusst zu sein.
  • Soziale Kompetenz und Bürgerkompetenz. Soziale Kompetenz umfasst persönliche, zwischenmenschliche und interkulturelle Kompetenzen und betrifft alle Formen von Verhalten, die es Einzelpersonen ermöglichen, in effizienter und konstruktiver Weise am gesellschaftlichen und beruflichen Leben teilzuhaben. Sie steht im Zusammenhang mit persönlichem und gesellschaftlichem Wohlergehen. Das Verständnis für Verhaltensweisen und Umgangsformen in verschiedenen Umfeldern, in denen sich die Persönlichkeit entwickelt, ist hierbei von entscheidender Bedeutung. Die Bürgerkompetenz, die auf der Kenntnis der sozialen und politischen Konzepte und Strukturen (Demokratie, Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, Staatsbürgerschaft und Bürgerrechte) beruht, rüstet den Einzelnen für eine aktive und demokratische Beteiligung am staatsbürgerlichen Leben.
  • Eigeninitiative und unternehmerische Kompetenz ist die Fähigkeit, Ideen in Taten umzusetzen. Dies erfordert Kreativität, Innovation und Risikobereitschaft sowie die Fähigkeit, Projekte zu organisieren und durchzuführen, um bestimmte Ziele zu erreichen. Der Einzelne ist sich seines Arbeitsumfelds bewusst und ist in der Lage, Chancen zu ergreifen. Unternehmerische Kompetenz ist die Grundlage für die besonderen Fähigkeiten und Kenntnisse, die diejenigen benötigen, die eine gesellschaftliche oder gewerbliche Tätigkeit begründen oder dazu beitragen. Dazu sollte ein Bewusstsein für ethische Werte und die Förderung einer verantwortungsbewussten Unternehmensführung gehören.
  • Kulturbewusstsein und kulturelle Ausdrucksfähigkeit beinhalten die Anerkennung der Bedeutung des künstlerischen Ausdrucks von Ideen, Erfahrungen und Gefühlen durch verschiedene Medien (Musik, darstellende Künste, Literatur und visuelle Künste).

Diese Schlüsselkompetenzen sind unabhängig voneinander, jedoch fördern sie alle kritisches Denken, Kreativität, Initiative, Problemlösung, Risikobewertung, Entscheidungsfindung und konstruktiven Umgang mit Gefühlen.

Ein europäischer Referenzrahmen für die Mitgliedstaaten und die Kommission

Die Schlüsselkompetenzen bilden einen Referenzrahmen, um das Streben auf nationaler und europäischer Ebene nach gemeinsam vereinbarten Zielen zu unterstützen. Dieser Rahmen richtet sich insbesondere an politische Entscheidungsträger, Bildungsanbieter, Arbeitgeber und Lernende.

Für die Mitgliedstaaten stellt er ein Referenzinstrument für ihre Politik im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung dar. Sie müssen vor allem sicherstellen, dass:

  • die Bildungs- und Berufsbildungssysteme allen jungen Menschen die Möglichkeit bieten, angemessene Schlüsselkompetenzen zu entwickeln, die sie für das Erwachsenen- und Arbeitsleben rüsten und eine Grundlage für das weitere Lernen bilden;
  • angemessene Vorkehrungen für diejenigen jungen Menschen getroffen werden, die unter Bildungsbenachteiligungen leiden, damit sie ihr Bildungspotential ausschöpfen können;
  • Erwachsene ihre Schlüsselkompetenzen während ihres gesamten Lebens weiterentwickeln und aktualisieren können, dies gilt insbesondere für die als vorrangig ermittelten Zielgruppen, beispielsweise Personen, die ihre Kenntnisse auf den neuesten Stand bringen müssen;
  • angemessene Infrastrukturen zur Fortsetzung der allgemeinen und beruflichen Bildung von Erwachsenen, Maßnahmen zur Gewährleistung des gleichberechtigten Zugangs zum lebenslangen Lernen und zum Arbeitsmarkt und eine Unterstützung der Lernenden, die die unterschiedlichen Bedürfnisse und Fähigkeiten berücksichtigt, zur Verfügung stehen;
  • Kohärenz der Erwachsenenbildung durch eine enge Verknüpfung mit den betroffenen Politikbereichen realisiert wird.

Der Rahmen dient als Grundlage für weitere Aktionen auf Gemeinschaftsebene, sowohl für das Arbeitsprogramm „ Allgemeine und berufliche Bildung 2010 ” als auch für Gemeinschaftsprogramme im Bereich allgemeine und berufliche Bildung. In dieser Hinsicht muss die Kommission insbesondere:

  • die Bemühungen der Mitgliedstaaten um die Entwicklung ihrer Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung unterstützen; den Referenzrahmen nutzen, um das Peer-Lernen und den Austausch vorbildlicher Verfahren zu erleichtern, und im Rahmen der zweijährigen Fortschrittsberichte über das Arbeitsprogramm „Allgemeine und berufliche Bildung 2010″ die Entwicklungen verfolgen und über Fortschritte berichten;
  • den Referenzrahmen für die Umsetzung der gemeinschaftlichen Programme zur allgemeinen und beruflichen Bildung verwenden und sicherstellen, dass diese Programme den Erwerb der Schlüsselkompetenzen fördern;
  • den Referenzrahmen bei der Umsetzung von entsprechenden Gemeinschaftsprogrammen (in den Bereichen Beschäftigung, Jugend, Kultur- und Sozialpolitik) und beim Ausbau der Beziehungen zu den Sozialpartnern und anderen in diesem Bereich tätigen Organisationen nutzen;
  • bis Dezember 2010 die Wirkung des Referenzrahmens innerhalb des Arbeitsprogramms „Allgemeine und berufliche Bildung 2010″ sowie die Erfahrungen und Perspektiven überprüfen.

Hintergrund

Die Schlüsselkompetenzen sind aufgrund ihres transversalen Charakters von entscheidender Bedeutung. Sie stellen einen Fortschritt für den Arbeitsmarkt, den sozialen Zusammenhalt und die Jugend (Pakt für die Jugend) dar. Hinsichtlich Beschäftigungs- und Anpassungsfähigkeit ist lebenslanges Lernen demnach besonders wichtig. Die Referenzkriterien, die eine Beurteilung der Verbesserung der europäischen Leistungsfähigkeit ermöglichen, waren im Jahr 2005 Gegenstand eines Berichts mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

Als Antwort auf die vom Europäischen Rat auf seiner Tagung in Lissabon am 23. und 24. März 2000 vorgebrachten Sorgen, die in der 2005 reformierten Lissabonner Strategie wieder aufgegriffen wurden, decken sich die Schlüsselkompetenzen mit den Zielen des Arbeitsprogramms „Allgemeine und berufliche Bildung 2010″, der Mitteilung der Kommission von 2001 über die Schaffung eines europäischen Raums des lebenslanges Lernen und der nachfolgenden Entschließung des Rates vom 27. Juni 2002. Der Rat und die Kommission schlagen vor, die Grundfertigkeiten zu einer Priorität für alle Altersklassen zu erklären. Sie sprachen sich in ihrem gemeinsamen Zwischenbericht von 2004 zu den Fortschritten beim Arbeitsprogramm „Allgemeine und berufliche Bildung 2010″ für gemeinsame europäische Bezugspunkte und Grundsätze aus.


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